Gewerbeverein der Region Frauenfeld

Zweite Umfrage bei den Mitgliedern des Gewerbevereins der Region Frauenfeld zum Thema Corona

Nachdem der Gewerbeverein seine Mitglieder im März 2020 ein erstes Mal zum Thema Corona befragt hat, hat er im August 2020 eine zweite Umfrage zu den Auswirkungen des Lockdowns, den benötigten Unterstützungsmassnahmen und den im zweiten Halbjahr 2020 erwarteten Erschwernissen erhoben.

 

Bereits der Umstand, dass im Gegensatz zur Befragung im März, als innerhalb weniger Tage 46% aller Mitglieder an der Umfrage teilnahmen, in der zweiten Befragung erst auf erneute Nachfragen hin ein ebenfalls durchaus signifikanter Rücklauf von 31% erzielt werden konnte, darf dahingehend gedeutet werden, dass sich die schlimmsten Befürchtungen (noch) nicht bewahrheitet haben. Nichtsdestotrotz ist die Corona Krise – wie wir alle wissen – noch nicht ausgestanden. Die Gewerbetreibenden sind nach wie vor mit grossen Herausforderungen konfrontiert.

Gut die Hälfte der Umfrageteilnehmenden beschäftigt 1-10 Mitarbeitende, 35.8% 11-50 Mitarbeitende, 9% beschäftigen 51 Mitarbeitende und mehr.

Umfrage-Ergebnisse öffnen

Inhaltlich kann zusammenfassend folgendes festgehalten werden:


  • Die Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr 2020 (im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019) verlief erwartungsgemäss bei fast der Hälfte der Umfrageteilnehmenden (42.9%) negativ (24.8% Einbussen von 5-30%; 14% Einbussen von 31-60%; 4.1% Einbussen von 61-100%). Erfreuliche 41.3% verzeichneten keine wesentlichen Veränderungen und insgesamt 15.6% konnten gar Umsatzsteigerungen verbuchen.


  • In etwas grösserem Ausmass schlugen sich diese Umsatzentwicklungen auch in den Geschäftsgewinnen nieder (45.4% Einbussen; 31.9% keine Veränderungen; 22.7% Gewinnsteigerungen).


  • 47.9% der Umfrageteilnehmenden hat eine Voranmeldung für Kurzarbeit COVID-19 getätigt, effektiv einen Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung COVID-19 gestellt haben 39% der Umfrageteilnehmenden.


  • COVID-19-bedingt Arbeitsverhältnisse kündigen mussten bislang lediglich 5% der Umfrageteilnehmenden, weitere 3.4% mussten COVID-19-bedingte Änderungskündigungen aussprechen.


  • 23.6% der Umfrageteilnehmenden war gezwungen, einen COVID-19-Kredit in Anspruch zu nehmen.


  • Individuelle Regelungen über Mietzinserlasse und -stundungen wären für einen Viertel der Umfrageteilnehmenden notwendig gewesen; bei 60.2% bestand diesbezüglich keine Notwendigkeit, bei 13.8% stehen die Räume im Firmeneigentum. Lediglich 8.1% konnte eine individuelle Vereinbarung mit dem Vermieter erzielen.

    Verschiedene Mieterinnen und Mieter haben den Mietzins für einen Monat oder einen teilweisen Erlass (20-50%) während der Schliessung gewährt. Vereinzelt dauert der Erlass fort.


  • Auf die Frage, welche Erschwernisse im zweiten Halbjahr 2020 v.a. befürchtet werden (Mehrfachnennungen möglich), wurden hauptsächlich ein Auftragsrückgang (24.8%), vermehrt krankheits- und quarantänebedingte Abwesenheiten (19.3%), ein zweiter Lockdown (13.8%), Engpässe/Verzögerungen bei Zulieferern (9.8%) sowie zu hohe Schutzauflagen, die sich auf die Rentabilität auswirken (9.1%), genannt.

    Verschiedentlich wurde die Aufrechterhaltung der Aufhebung der Sitzplatzbeschränkungen in der Gastronomie sowie der Einschränkungen und Verbote von Veranstaltungen als Gründe erwähnt, aufgrund welcher sich die Krise fortsetze.






Seitens des Gewerbevereins und der Stadt Frauenfeld werden folgende Unterstützungsmassnahmen gewünscht:


  • Kampagne zur Unterstützung des regionalen Gewerbes

  • Berücksichtigung von regionalen Anbietern bei Vergaben von Aufträgen und Dienstleistungen

  • Investitionstätigkeit der öffentlichen Hand (Arbeit statt Kredite, Vorziehen von bereits geplanten Investitionen)

  • Beschleunigung und Vergünstigung der COVID-Tests für Mitarbeitende insbesondere auch im Hinblick auf den Herbst und die Grippewelle

  • Unterstützung des örtlichen Detailhandels in Fragen der Digitalisierung (Digital Marketing und Social Media)



Fazit:
Grundsätzlich hat sich die Stimmung im Gewerbe verbessert. Im Vergleich zum Frühling ist wieder vermehrt Zuversicht erkennbar. Die Branchen sind aber sehr unterschiedlich betroffen. Die Umfrage zeigt bei über 40% der Umfrageteilnehmer Umsatzeinbussen im ersten Halbjahr. Stattliche 45% verzeichnen Gewinneinbussen und es werden fortdauernde Erschwernisse insbesondere durch vermehrt krankheits- oder quarantänebedingte Abwesenheiten von Mitarbeitenden (inkl. Handling von Corona-Tests) und ein Auftragsrückgang befürchtet. Ein weiterer Lockdown wäre fatal. Dies sind Erkenntnisse, die im aktuellen Thurgauer Wirtschaftsbarometer (Stand August 2020) nicht so eindeutig zum Ausdruck kommen.

Der Gewerbeverein der Region Frauenfeld hat im April 2020 folgende Massnahmen eingeleitet:


  • Erweiterter Anlass „Trends am Mittag XL“ vom 15. September 2020: Podium und Referate zur Krisenbewältigung während und nach dem Lockdown

  • Telefonische Anlaufstelle für Mitglieder des Gewerbevereins (sofortige Inbetriebnahme)

  • Durchführung Tag der Frauenfelder Wirtschaft im Sonderformat zum Thema „Weiter geht’s“ (Stand heute 260 Anmeldungen)

  • Aktive Mitarbeit im Innenstadtaufwertungsprojekt „MFG“ der Stadt Frauenfeld





An seiner Sitzung vom 22. September 2020 wird der Vorstand auf Basis der zweiten Mitgliederumfrage weitere Massnahmen beschliessen.